Segelpflege

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Segelpflege 2017-11-19T18:03:53+00:00

Tips zur Segelpflege

Segelpflege, Tips zur Segelflege

Wir möchten die Segelpflege mal von einer anderen Seite beleuchten, weil es hier doch um recht viel Geld geht. Die Bootsbesitzer toben sich jeden Frühling aus und schützen Plastik, Metall und Edelstahlteile mit Lacken, Polituren und Schmierstoffen. Aber was passiert mit Segeln, dem Motor, (dramatischer, dem Herzen) des Schiffes? Nicht so wirklich viel?! Aus Unwissenheit, aus Nachlässigkeit, aus Mangel an Möglichkeiten? Aus was besteht Ihre jährliche Segelpflege?

Nach unseren Philosophie sollen  Segel so lange wie möglich halten & langfristig so wenig wie möglich kosten. Unsere nachfolgenden Empfehlungen und Sichtweisen basieren auf Beobachtungen an ein paar tausend Segeln verschiedenster Materialien, Qualitäten, Alters, Pflegezustand und dezeitigem technischem Zustand, die wir in Händen hatten und die unsere Produktion durchlaufen haben. Wir hatten dabei Gelegenheit Materialstärken und Schwächen zu sehen und zu verstehen wie kaum ein anderer. Alle diese Segel waren im Realeinsatz und nicht unter Laborbedingungen in einem Testlauf. Das lässt uns ganz besondere Möglichkeiten für verschiedenste Rückschlüsse, auf den Umgang mit Segeln aber auch bzgl. Qualitäten der Segel. Daher kann ich mir erlauben anders, kritischer und vor allem ungebunden und distanzierter, das ganze zu beobachten!

Meine Sichtweise orientiert sich pflege-technisch am Tuch mit den obersten Zweck: Gewebeerhalt, bzw. Segelerhalt. Meine Sichtweisen könnten hilfreicher sein als sie vielleicht zunächst aussehen/klingen. Jedenfalls haben sie nicht die Motivation Ihnen neue Segel zu verkaufen!

Los geht’s, erfassen wir erst einmal die Situation:

1.) Bestandaufnahme/Situation

I. R. gibt es heutzutage an Bord einer Yacht2 Segelarten. Roll-Reff-Segel und Großsegel die auf dem Baum aufgetucht werden. Da wir jetzt erst einmal die weiteren Typenarten (Fock, Genua, Dacron, Laminiert usw.) außer Acht lassen, ist das erste Bemerkenswerte, dass Groß- und Besan-Segel unter einer Baum-Persenning, in einem Lazy-Jack bag, auch Stakker genannt oder gar im Baum oder Mast geschützt verstaut werden. Dagegen werden Roll-Vorsegel eigentlich nur aufgerollt und hängen von einem UV-Streifen geschützt draußen. Es ist keinesfalls Regel diese Segel abzuschlagen oder durch eine Persenning zu schützen.

D.h., das eine Segel wird mit einer Abdeckung/Persenning geschützt, das andere nicht. Oder anders für den Eigentümer formuliert: Das ungeschützte Vorsegel altert (u.U. vergammelt) wesentlich schneller als das verpackte & geschützte Großsegel.

Dass das Vorsegel schneller altert, hat aber noch weitere Gründe, hier mal eine evtl. nicht vollständige, aber weitergehende Übersicht:

  1. Ein UV Schutz schützt das darunterliegende Segeltuch nur auf seiner wirklichen Breite & Länge, und zwar nur vor UV-Strahlung!
  2. Viele Segler wissen nicht/ignorieren, dass der UV-Streifen nicht den Schutz einer Rollsegel-Persenning bietet.
  3. Die Roll-Reff-Anlage wird heutzutage als bequemes Segellager genutzt, auch wenn das Boot länger nicht genutzt wird, statt die Segel dann ab zu schlagen.
  4. Es ist Vielen nicht bewusst, das Schmutz & Feuchte, die mangels Persenning zwischen die Lagen des Rollsegels gelangen, Schäden verursachen.
  5. Weil die gesammelte Feuchtigkeit, die nicht abtrocknet, in der Folge zu Schimmelbildung führt, die wiederum dem Tuch zusetzt: Bei Laminaten kann der Schimmel sich sogar ins Innere der Laminatkonstruktion fressen!
  6. Die angeschlagenen Roll-Reff-Segel werden nicht regelmäßig gelüftet & getrocknet, weil man hierfür unter der Woche nicht mal schnell zum Boot kann.
  7. Weil ein Vorsegel viel mehr mechanischem Stress ausgesetzt ist, als ein Großsegel, was zu stärkeren Schwächungen des Tuches führt.
  8. Obwohl Vorsegel durch den erhöhten Stress schneller altern, werden Sie nicht unbedingt umsichtiger behandelt.
  9. Oftmals sind die Vorsegel, für das bequeme Lagern auf Roll-Reff-Anlagen aus dem falschen Material gefertigt, sprich Laminaten.

Der Hauptgrund das die Vorsegel schneller altern ist folglich der 10. Grund:

Weil trotz dieser eindeutigen Sachlage wir zu Bequem sind Vorsegel regelmäßig abzuschlagen, um sie zu schützen.

2.) Gegenmaßnahmen gegen die schnelle Alterung

– Gegenmaßnahmen im Gebrauch: Segel nach Schulbuch verwenden, pflegen, warten und lagern; mit Vorsegel sensibler umgehen, schonen & schützen.
– Gegenmaßnahmen bei Nicht-Verwendung: Segel über die Woche abschlagen, Segel mit Roll-Persenning schützen, Segel trocken segeln und regelmäßig trocknen
– Gegenmaßnahmen bei der Pflege: Segel nach jeder Saison abspülen & trocknen, Schimmel und Verschmutzungen schnell entfernen/entfernen lassen, Segel mittels moderner Beschichtungen gegen Schmutz und Feuchtigkeitsaufnahme schützen

2.) Wenn Sie das Schiff verlassen:
Wenn Sie von Bord gehen, sollten Sie sich bewusst sein, dass Segel die unter Spannung stehen sich bleibend verformen werden. Daher nehmen sie die Spannung von den Segeln: Lockern sie das Groß- und Vorsegelfall und nehmen sie die Unterliek-Spannung von den Segeln. Gleiches gilt für die Lattenspannung, lassen sie diese los, auch wenn sie nur für kürzere Zeit nicht mehr segeln.

Denken Sie an Ihren größten Feind: Die Sonne, bzw. UV-Strahlung
Nochmal, die nach Jahren am Besten erhaltenen Segel sind die, die nach dem Segeln abgeschlagen und unter Deck verstaut werden. Im Rahmen einer guten Seemannschaft gehört sich dies eigentlich nach jedem Segeln. Besonders Vorsegel sollten immer abgeschlagen werden, wenn man das Boot für die Arbeitswoche verläßt, oder weiß, das die nächsten 2 Tage nicht gesegelt werden.

Eine Rollreff-Anlage ist genau wie das Wort sagt eine Reff-Anlage und keine Segellager-Vorrichtung! (Ein befreundeter Segelmacher dazu: „Die Roll-Reff-Anlage ist eine Erfindung der Götter!“ (So sagt man ohne Dollar- oder Eurozeichen in den Mund zu nehmen, dass es sich gut leben lässt, wenn sich andere aus Bequemlichkeit Ihre Segel im Schnellverfahren ruinieren lassen).

Sollten Sie zu den wenigen Seglern gehören, die Ihre Segel abschlagen, beachten sie noch folgendes: Das Segel immer in die selbe Falte zu legen führt langfristig zu Bruch des Gewebes an dieser Stelle. Bei Laminat Segeln noch um ein vielfaches schneller als bei gewebtem einschichtigen Dacron!

3.) Selber pflegen und reinigen:
Spülen Sie Ihre Segel am Ende der Saison ab! Entfernen Sie leichte Verschmutzungen selber mit viel Wasser und etwas Spülmittel (Finger weg von Grüner Seife – Schimmelgefahr!). Lagern Sie Ihre Segel immer trocken, ohne Spannung auf Segellatten und Lieken. Legen Sie die Segel ordentlich Zickzack zusammen und rollen Sie sie anschließend locker auf! So ordentlich behandelte Segel leben wirklich einige Jahre länger – das können wir Ihnen jeden Winter vorführen!

4.) Reinigen lassen:
Wählen Sie die Reinigungsfirma mit Bedacht aus, bedenken Sie das ein oder andere:

  • Seien sie vorsichtig! Schauen Sie sich das Reinigungsverfahren vorher genau an und lassen Sie es sich genau beschreiben!
  • Vermeiden Sie alle Verfahren die schrubben (Handtellermaschinen, Bürsten & Bürstenbahnen), kratzen (ebenfalls Handtellermaschinen, Bürsten & Bürstenbahnen) oder walken (Waschmaschinen- wie zuhause nur viel grösser). Dieses sind in der Regel Maschinen aus Reinigungsverfahren die in anderen Anwendungsbereichen mit Sicherheit einen guten Job machen, aber auf Segeln bleibende Schäden anrichten können.
  • Führen Sie sich vor Augen das Verfahren zur Reinigung von Schwertextilien für solche recht gut geeignet sind, für Ihr Segel aber eine Nummer zu hart sein dürften. Schwertextilien sind z.B. schwere PVC-Planen, die im Einsatz sind als LKW Planen, bei Großzelten als Wand oder Dach (z.B. Oktoberfest-Zelten), industriellen Abdeckungen usw. Diese Planen sind schwer, robust & hart im nehmen, dafür sind diese konzipiert worden – ganz anders als Ihr Segel!
  • Denken Sie daran dass normale Textilreinigungen mit riesigen Waschmaschinen Fasern waschen, denen das Walken in den Waschtrommeln viel weniger zusetzt als einem technischen Gewebe wie einem Segel. Dacron Segel verlieren durch das Walken ihre Festigkeit & Laminat-Segel werden delaminieren.
  •  Lassen Sie Ihre Segel lieber von uns bearbeiten, unser Verfahren wurde für Segel entworfen! (Achtung Werbung in eigener Sache – ist ja auch unsere eigene Homepage!)

5.) Die gängigsten Verschmutzungen:

Stockflecken & Schimmel:

Entfernen, oder lassen Sie Stockflecken so schnell wie möglich aus allen Segeln entfernen! Vor allem bei Spectra/Dyneema-, Polyester- oder Vectran Segeln umgehend. Wenn Sie diesbezüglich selber aktiv werden wollen, befolgen Sie den Ratschlägen Ihres Segelmachers: Aber Vorsicht, die oftmals empfohlenen Chlorbleichen können zu Vergilbungen führen, wenn falsch oder zu lange eingesetzt! Seien sie auch mit erhältlichen Schimmelreinigern/Entfernern extrem vorsichtig, da diese i.R. auf Chlor basieren!!!

WICHTIG!
SEGEL AUS ARAMID/KEVLAR, NYLON SOWIE DIV. LAMINATE DÜRFEN NICHT MIT BLEICHMITTELN/CHLOR GEREINIGT WERDEN!
WICHTIG!

Manche Laminate können nicht mal gewaschen und gepflegt werden (Als Fahrtensegler so etwas gar nicht erst kaufen!).

Öle & Fette:
Öl- und Fettflecken können heutzutage recht kompliziert zu entfernen sein! Durch moderne Schmierstoffadditive verhalten sich diese nicht mehr wie „ehrliche“ Fette oder Öle. Probieren sie am besten mit einem Allzweckreiniger ob sich das Schmiermittel lösen lässt. Wirken Sie das Reinigungsmittel mit einer weichen Bürste ein, lassen Sie es einige Zeit einwirken und spülen Sie es dann mit viel Wasser ab. Vermeiden Sie starkes Schrubben, dies kann das Segel beschädigen. Manche Flecken lassen sich abhängig von ihrer Beschaffenheit nicht oder nicht mehr vollständig entfernen.

Rost & Oxidation:
Rostflecken zu entfernen ist nicht wirklich kompliziert, solange der Rost sich nicht vollständig durch‘s Gewebe gefressen hat. Kaufen Sie in einer Apotheke eine geringe Menge Oxalsäure (250 gr – ein weißes Pulver) und mischen Sie dieses in einer Schale mit z.B. einem Auto-Shampoo/Auto-Reiniger. Oxalsüre schädigt Kunstoffe nicht, sondern „frisst“ oxidiertes Material (z.B. den Rost) einfach weg. Schmieren sie das Gemisch aus Oxalsäure und Autoshampoo auf die Roststelle, geben geringfügig Wasser dazu und lassen Sie das Gemisch wirken. Alle 15 min sollten sie das Gemisch bewegen & verhindern Sie austrocknen. Nach einigen Stunden kann der Rostfleck vollständig verschwunden sein.

Reißverschlüsse reinigen
Reinigen Sie die Reißverschlüsse von Persenningen und Segeln (Vorliek-Taschen bei Jollen) regelmäßig und/oder schmieren Sie sie mit Wachs ein: Großmutter nahm dazu Kerzenwachs – der ist nicht mal so schlecht, da nicht wasserlöslich und er verbreitet sich nicht wie die volatilen Silikone im ganzen Schiff!

6.) Beim Segeln unbedingt beachten:
Killer No. 1 beim Segeln ist, wie kann es anders sein, das Killen. Vermeiden Sie killende Segel wie der Teufel das Weihwasser! Unter Motor, mit hochgezogenen Segeln, fahren ist ein absolutes NO-GO! Wenn Sie dennoch Ihre Segel unter Motor setzen, nehme Sie diese so schnell wie möglich dicht und fahren so hoch am Wind, dass diese gerade nicht killen. Setzen Sie zuerst das Groß- und rollen dann Ihr Vorsegel aus.

Bei Manövern agieren Sie zügig und vermeiden Sie überflüssiges Killen, durch z.B. Vorsegel kurzzeitig Back zu halten – zulange Bakhalten ist auch nicht gesund!

Sollte bei angezogenem Segel Ihr Achterliek killen, ziehen sie die Achteliek-Leine dicht, bis dieses aufhört. Sollte dies alleine nicht funktionieren, könnte auch der Holepunkt der Vorsegelschiene falsch positioniert sein & müsste versetzt werden. Wenn dies beides keine Abhilfe bringt/nicht funktioniert ist u.U. Ihr gesamter Trimm falsch oder das Segel nicht richtig geschnitten. Dann wäre es wahrscheinlich das Beste, Hilfe von einem Profi ein zu holen!

Resistenz gegen Killen ist eins der stärksten Argumente, warum ein Vorsegel besser gewebt als laminiert sein sollte: Das Schlagen der Segel ist für Laminat Segel ein vielfaches schädlicher als für gewebtes Dacron Segeltuch! Bei Laminaten wirkt jeder Schlag auf die Klebeverbindung, genauso wie jeder Knick. Knicke sind Laminat typische Kleinst-Delaminierungen, die durch das unterschiedliche Biegeverhalten der eingesetzten Materialien entstehen und dann unter Beanspruchung im weiter wachsen.

7.) Wissen über Ihre eigenen Segel:

Was oftmals gar keine Beachtung findet ist, dass Segel für einen gewissen Windstärke-Bereich konstruiert sind, insbesondere Vorsegel. Große Roll-Genuas aus leichtem Tuch, die bei jeder Windstärke – mal mehr oder weniger aufgerollt-  gesegelt werden, werden eher über Kurz als über Lang wenig Grund zur Freude bereiten! Überschreitet man die vorgegebenen Windstärken-Indikationen, geht man das Risiko ein, das Segel bleibend zu schädigen, sprich aus der Form zu bringen. Unsere Segel Regenerierung kann hier oftmals einiges korrigieren. Falls Sie nicht wissen für welche Windstärken Ihre Segel konzipiert wurden sollten sie das schnellstens in Erfahrung bringen! Ihr Segelmacher kann Ihnen mit Sicherheit genau sagen, für welche Windbereiche er Ihre Segel konzipiert hat.

Nutzen sie bei Rollsegeln, die in Vorliek-Profilen gesegelt werden, für die Vorliek-Bänder High-Tech Trockenschmierstoffe, diese gibt es i.R. nicht für billiges Geld, aber sie verursachen keine öligen Flecken, da sie keine öligen Substanzen enthalten. (Wer hätte das gedacht!)

8.) Beobachten Sie Ihre Segel beim Segeln:

Achten Sie auf kleinere Risse, diese werden sich vergrößern. Anders gesagt:  Aus kleinen werden leicht/schnell grosse!

Vermeiden Sie schamfilen (reiben) an Bolzen, Splinten, Wantenspannern, Mast, Vordeck, Relinge, scharfen Kanten usw.! Verstärken Sie u.U. das Segel an Stellen wo es an Bauteilen scheuert oder reibt, mit selbstklebendem Segeltuch – erhältlich bei jedem besseren Segelmacher. Denken Sie auch daran, dass dieses irgendwann durch gescheuert ist und erneuert werden muss.